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VORWÄRTS IMMER, RÜCKWÄRTS NIMMER?

Diskussionsrunde: Kreuzberger Polit- und Subkultur im Sog des Mauerfalls

Mit Francoise Cactus (Musikerin und Künstlerin), Alfons Kujat (Schauspieler),
Wolfgang Müller (Autor und Künstler), Klaus Theuerkauf (Künstler und Galerist/endart).
Moderation: Erik Steffen
KREUZBERG MUSEUM | Adalbertstr. 95A | 10999 Berlin | 20. November 2014 um 19 Uhr
Quelle: http://www.fhxb-museum.de/index.php?id=19
POSTER VIDEOCLIP ÜBER DIE DISKUSSIONSRUNDE

Kein anderes Biotop hat so empfindlich auf den Mauerfall regiert wie die Kreuzberger Szenekultur. Ein Exodus Richtung Osten, ein Beharren auf subkulturellen Traditionen und politischen Positionen. Eine Gemengelage zwischen Aufbruch & Stagnation. Eine bunte Mischung aus Offkultur-Held_innen blickt zurück auf Umbrüche und Abbrüche, eine Zäsur, die Altes infrage stellte und Neues ermöglichte.

Plakat | Vergrösserung
PLAKAT | Foto: Dietmar Kirves | Archiv

Das Plakatfoto entstand während einer Vier-Stunden-Aktion anlässlich des Mauerfalls am Potsdamer Platz in Berlin am 26. November 1989 mit meinen Söhnen Martin und Felix. | mehr

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VIDEOCLIP | 21:41 min

KOMMENTAR DES KREUZBERG MUSEUMS: Bei der letzten Diskussionsrunde des Programms "Mauern durchbrechen" erzählten Françoise Cactus, Alfons Kujat, Wolfgang Müller und Klaus Theuerkauf witzige Anekdoten aus der Kreuzberger Kulturszene der 1980er, erinnerten sich an den Fall der Mauer und reflektierten über die Gleichgültigkeit der heutigen Zeitgeist. Das Ganze wurde meisterhaft von Erik Steffen moderiert. Wir bedanken uns für den sehr schönen Abend!
Quelle: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.940718832623145.1073741889.186274154734287&type=1

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ÜBER DIE DISKUSSIONSTEILNEHMER

Françoise Cactus wuchs mit drei Geschwistern in Villeneuve-l’Archevêque auf. Sie studierte in Besançon, und Paris. In Norwegen lernt sie 1985 einen Berliner kennen, dem sie kurze Zeit später nach Berlin folgte, wo sie von der Hausbesetzerszene beeinflusst wurde. Dort gründete sie die Band Lolitas und später mit ihrem Lebensgefährten Brezel Göring die Band Stereo Total.
Neben Musik hat Françoise Cactus auch mehrere Bücher und Hörspiele geschrieben und Zeichnungen und Objekte ausgestellt. Eines ihrer Objekte namens Wollita, eine lebensgroße gehäkelte Puppe, wurde im April 2004 von den Boulevardzeitungen Bild und B.Z. als Beleg einer „Kinderpornoausstellung“ im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien über 20 Mal im Laufe von zwei Wochen abgebildet. Thema der Ausstellung mit dem Titel „When Love turns to Poison“ war die Beschäftigung mit den Schattenseiten von Sexualität und dem Thema sexuelle Gewalt. Als Reaktion auf die Medienkampagne verfasste Françoise Cactus mit Wolfgang Müller von Die Tödliche Doris das Buch „Wollita – vom Wollknäuel zum Superstar. Die Biographie“, die im Oktober 2005 inklusive einer CD erschien. Den Aufruf „Wollita (18) muss den B.Z.-Kulturpreis bekommen!“ unterzeichneten über 250 Künstler und Kunstvermittler.
Françoise Cactus bezeichnet sich als Heimatlose. Sie schätzt Roger Vadim und seinen Film Barbarella.
http://de.wikipedia.org/wiki/Françoise_Cactus

Alfons Kujat war Boxer, Mitglied der „Sozialistischen Jugend Deutschlands – die Falken“, Gewerkschafter, Koch, und Hausbesetzer. Zu seinen aktiven Zeiten als Hausbesetzer und Aktivist war Alfons Kujat immer an vorderster Front. Aufgrund der problematischen Situation 1987 im Kiez (Berlin Kreuzberg) wurde Kujat immer ambitionierter und trat der "Sozialistischen Jugend Deutschlands - die Falken" bei.
Kujat lebt heute als Schauspieler und Regisseur in Berlin. Er tritt auch mit der Theater-Performance “Die Lebensbeichte der Francoise Villon” auf, in der er die Lebensbeichte des französischen Dichters, Gauners und Philosophen Francois Villon erzählt.
2005 schrieb er zusammen mit dem Politikwissenschaftler und Historiker Albert Scharenberg das Buch Du nicht!: Stories aus dem Leben von Alfons Kujat. In ihm wird die Lebensgeschichte des Aktivisten, Boxer und Schauspielers wiedergegeben. Er hiel darüber hinaus auch viele Lesungen über das Buch ab, u. a. mit Martin Semmelrogge. Ab 2005 bis 2011 übernahm er die Regie im Piraten-Open-Air Theater und stand zugleich als Schauspieler auf der Bühne.
http://de.wikipedia.org/wiki/Alfons_Kujat

Wolfgang Müller studierte von 1980 bis 1985 an der Hochschule der Künste Berlin im Bereich Grafik/Visuelle Kommunikation/Experimentelle Filmgestaltung. 1982 gab er im Merve-Verlag das Buch Geniale Dilletanten (in Nachfolge des Festival Genialer Dilletanten) mit Beiträgen u. a. von Gudrun Gut, Matthias Roeingh (später bekannt als Dr. Motte), Tabea Blumenschein, Blixa Bargeld und Frieder Butzmann heraus. Das Buch wurde zum Manifest einer jungen West-Berliner Künstler- und Musikerszene.
Seit der Auflösung der Tödlichen Doris im Jahre 1987 arbeitet Müller weitgehend allein. 1987 veröffentlichte er das Album „BAT“ mit hörbar gemachten Ultraschalllauten einheimischer Fledermäuse und zeigte dazu gemalte Fledermaus-Oszillogramme in der Galerie Martin Schmitz in Kassel. Als Schauspieler trat er in den Filmen von Heinz Emigholz „Der zynische Körper“ (D-1988–1991), Jörg Buttgereit „Nekromantik II“ (D-1991), Grimur Hákonarson „Vardi goes Europe“ (Island 2003) und „Sumarland“ (Island 2010) auf.
Seit 1990 beschäftigt er sich mit Island und seiner Kultur. 1998 gründete er nach der Schließung des staatlichen Goethe-Instituts in Reykjavík das weltweit erste „private Goethe-Institut“ im Living Art Museum von Reykjavík, eine Kunstaktion, die er im Jahr 2002 nach Drohungen aus der Rechtsabteilung des Goethe-Instituts München in Walther von Goethe Foundation umbenennen musste. Im Jahr 2002/2003 unterrichtete er als Gastprofessor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und veröffentlichte Goethes erstes naturwissenschaftliches Werk Der Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären von 1790 in isländischer Erstübersetzung in der Reihe Schriften der Walther von Goethe Foundation. Übersetzer ist der Isländischlektor der Universität Wien Jón Bjarni Atlason.
Im Jahr 2003 veröffentlichte Wolfgang Müller, der auch als Performer, Schauspieler und Autor in Erscheinung tritt, die Musik-CD „Mit Wittgenstein in Krisuvik“. Mit dem Elektropopmusiker Namosh trat er 2005 in Kopenhagen, Wien, Stuttgart und der Schweiz auf und veröffentlichte mit ihm eine Coverversion des Tödliche Doris-Songs „Schuld-Struktur“ als 12inch. Als sein sechstes Hörspiel beim Bayerischen Rundfunk produzierte er 2006 die Hommage „Das Dieter Roth Orchester spielt kleine Wolken, typische Scheiße und nie gehörte Musik“. Er (wieder)veröffentlichte die erste LP von Die Tödliche Doris ohne Ton, transformiert in gebärdensprachlicher Gestaltung als DVD. Auf „Séance Vocibus Avium“ rekonstruierte er 2008 Gesänge elf ausgestorbener Vogelarten nach wissenschaftlichen Aufzeichnungen. Wolfgang Müller ist der Schöpfer des Wortes Elfenbeauftragte und gilt als Island- und Elfenexperte.
Sein Bruder Max Müller ist Sänger der Berliner Band Mutter.
Im Jahr 2009 wurde Wolfgang Müller für sein Audiowerk Séance Vocibus Avium der Karl-Sczuka-Preis in Donaueschingen verliehen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Müller_(Künstler))

Klaus Theuerkauf (geb. 1957 in Ingelheim) und seine Galerie Endart haben die Kunst der achtziger Jahre in Berlin mit geprägt. Theuerkauf und seine Galerie Endart gehören zur Oranienstraße wie die rituellen Krawalle am ersten Mai zu Kreuzberg. Relikte der alljährlichen Straßenaufläufe bilden auch den Unterboden einer mehrteiligen Installation: „Das ist ein abgefackelter Container, und darauf Angela Merkel“. George Bush, Adolf Hitler, Marx, Engels, Lenin, Beuys, alle behandelt Theuerkauf in seiner Kunst gleich – und zwar völlig respektlos. Das heilige Dreigestirn des Kommunismus mutiert zu Weihnachtsmännern, Beuys ist halb Mensch, halb Totenkopf.
Häufig paart sich in den Bildern die Respektlosigkeit mit politischen Themen und bitterböser Satire, wobei der Künstler gerne auch eindeutigen Sex darstellt. Auf der Holzcollage „Die Idealfrau“ findet eine Fellatio statt. „Das fanden alle ziemlich sexistisch, bis sie sahen, dass das Bild auch als Rassismuskritik gelesen werden kann“, erklärt Theuerkauf. So einfach über das Sofa hängen lassen sich die Bilder nicht, dazu ist ihr Gestus zu rebellisch.
In den frühen neunziger Jahren, als Endart endgültig das Zeitliche gesegnet hatte, gründete der Musik- und insbesondere Jazzliebhaber Theuerkauf das Original Oberkreuzberger Nasenflötenorchester. In verrauchten Kellern oder auch auf großen Bühnen von Jazz-Festivals blasen bis zu 30 Männer enthusiastisch in ein Gerät, das über Nase und Mund gestülpt ist. Dabei erzeugen sie einen infernalischen Klang, der mit jedem Dudelsackorchester mithalten kann. Klassiker der Rockmusik von Uriah Heep oder Status Quo werden gnadenlos durchgepustet. Das ist witzig, schräg und auch ein bisschen rebellisch – genau wie Theuerkaufs Bilder. (Richard Rabensaat)
http://www.tagesspiegel.de/kultur/klaus-theuerkauf-kein-respekt-fuer-niemand/3730838.html

Erik Steffen lebt und arbeitet als Publizist, Kurator und Literaturvermittler in Berlin. Der Blick auf die Menschen am Rand und ihre sperrigen Biografien bestimmt seine Wahrnehmung. Er schreibt u.a. für den Tagesspiegel.
http://www.nicolai-verlag.de/signale-aufbruchs-p-507.html

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