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OST-WEST-MAPPE II

16 signierte Originalgraphiken

MIT BEITRÄGEN VON: Georg Baselitz + Bernhard Johannes Blume + Hans Brosch + Ludwig Gosewitz
Walter Herzog + Antonio Höckelmann + Martin Hoffmann + Manfred Kempfer + Dietmar Kirves
C. O. Paeffgen + Robert Rehfeld + Gregor-Torsten Schade + Jürgen Schieferdecker
Tomas Schmit + Reiner Schwarz + A. R. Penck (Ralf Winkler)
Herausgeber: EP Edition Jürgen Schweinebraden | Berlin - Haptstadt der DDR 1978
Mappe mit Textblättern (Titel und Inhaltsverzeichnis)
lose in Originalhalbleinenmappe mit Aufkleber
zwei hektographierte Typoskriptblätter
Kurzbiographien der Künstler
30 x 27cm | 35 Exemplare.
BEITRAG: 4. Rätsel als Beispiel. Jeder Mappe lag ein anderes RÄTSEL bei.

Ost-West-Mappe | Berlin 1978 | CoverSTATEMENT DES HERAUSGEBERS: Die Absicht einer inoffiziellen nicht kommerziellen Galerie in der DDR mit dem Ziel, die Kommunikation unter Künstlern zu befördern und Informationen über zeitgenössische Kunst zu geben, wurde bereits ab 1976 zusätzlich zu den Ausstellungsaktivitäten durch die Herausgabe von Grafikmappen ergänzt.
Begonnen wurde mit einer Edition von Künstlerinnen und Künstlern aus Dresden und Berlin (Grafik der DDR I), der vier weitere Mappen von DDR-Künstlerinnen und Künstlern (unter ihnen auch A.R.Penck, Carlfriedrich Claus u.a.) folgten. In jeder Mappe waren jeweils zwischen 15 und 20 Teilnehmer vereint. Es gab keine thematische Vorgabe.
Da erklärtes Ziel der Galerie- und Editionstätigkeit die Kommunikation und Informa-tionsvermittlung, das Knacken bestehender black-boxes war, konnte es nicht bei den Grafikmappen von DDR KünstlerInnen bleiben. 1978 wurden deshalb (wegen großer Teil-nahme) zwei Mappen herausgegeben, die je neun bis zehn ost- und westdeutsche Künstler in einer Mappe vereinte. Darunter u.a. Georg Baselitz, Bernhard Johannes Blume, Ludwig Gosewitz, Antonio Höckelmann, Alfonso Hüppi, Thomas Kaminsky, Dietmar Kirves, Rune Mields, C.O. Paeffgen, A.R.Penck, Aen Sauerborn, Tomas Schmit, Klaus Steinmann, Günter Uecker.
Aus praktischen – im Charakter der Galerie und ihrem subversiven Status in der DDR begründeten – Erwägungen besitzen sämtliche Mappen ein einheitliches Format (32 x 29 cm). Die Einbände sind in buchbinderischer Verarbeitung sog. Hardcover-Einbände. Die Blätter (im Format 30 x 27 cm) wurden von den Künstlern in der verabredeten Auflage (zwischen 40 und 50 Stück) beigebracht, wofür sie je zwei Mappen als „Bezahlung“ erhielten. Möglich waren alle Techniken: Radierung, Holz- oder Linol-schnitt, Lithografie, Siebdruck, Zeichnung, Frottage, Offset. Der Text des Herausge-bers sowie die biografischen Angaben zu den einzelnen Teilnehmern wurden – ebenfalls in Untergrund- bzw. Samsidat-Manier - im Lichtpausverfahren im gleichen Format wie die Blätter, vervielfältigt.
Diese Mappen sind wegen der besonderen Form der Distribution nicht mehr vorrätig. Sie tauchen gelegentlich in Auktionen auf, wo sie meist um 500 bis 750 € (DDR-Grafik I-V) bzw. bis zu 1500 € (die sog. Ost-West-Mappen) ausgezeichnet und häufig zum doppelten, in einzelnen Fällen dreifachen Preis ersteigert werden.

INHALT

Georg Baselitz: Adler, Zweifarbiger Linolschnitt, 60 x 27 cm, gefaltet.
Bernhard Johannes Blume: Magischer Determinismus, Photographie und ein Textblatt.
Hans Brosch Hang down your head and cry, Tom Dooley. Photographie.
Ludwig Gosewitz Kristalline Form, Offsetlitho und zwei Blätter Text.
Walter Herzog Papstdorfer Panorama, Radierung.
Antonio Höckelmann o. T., Radierung.
Martin Hoffmann: 9. Stadtbezirk, Photocollage
Manfred Kempfer: o. T. Offsetlithographie.
Dietmar Kirves: 35 Rätsel, Photographie mit Text.
C. O. Paeffgen: Marylin für Ostberlin, Farbdruck.
Robert Rehfeld: o. T. Typographik, Ex. 13/40. Mit Widmung »pour Jürgen S.«
Gregor-Torsten Schade: . o. T., Zinkographie.
Jürgen Schieferdecker: Wie man in Afrika die Freiheit entläßt, Siebdruck.
Tomas Schmit: Blei- und Farbstiftzeichnung.
Reiner Schwarz: Selbst, äffisch, Farbige Lithographie.
A. R. Penck (Ralf Winkler): o. T.; Offsetlitho. Signiert »Winkler«

KOMMENTAR So ich in der Mauerstadt West-Berlin lebte und an künstlerischen Aktivitäten interessiert war, die nicht dem MainStream entsprachen, pendelte ich zwischen Ost und West hin und her und besorgte den Austausch dieser Mappe. Für die Erlaubnis zur Einreise in den Ostteil meines Wohnortes musste ich als West-Berliner jedoch drei Tage vor eines Besuches in Ost-Berlin bei der DDR-Passierscheinstelle am Halleschen Ufer in West-Berlin einen Antrag stellen für eine Besuchserlaubnis. Dieses tat ich des öfteren. Musste allerdings jeweils um Mitternacht den Osten am Grenzübergang Friedrichstrasse [heute: TRÄNENPALAST] verlassen. Meine künstlerische Aktivität hatte nämlich bei der DDR-STASI inzwischen folgende Befehsnotiz erzeugt:

ERFOLGSERLEBNISSE: Danach wurde ich des es öfteren beim Grenzübertritt in einer Zelle unterm Bahnhof Friedrichstrasse geführt, wo mir meine Kleidung einschliesslich meines Hab und Guts abgenommen wurde zur Durchsuchung nach illegalen Werten. Nackt musste ich auf einer dreckigen Fussmatte dort zwanzig Minuten warten auf meine nicht erfassten Kunststücke. Aus Versehen hatte ich einmal noch 8,33 DDR-Mark bei mir. Der Grenzer behielt danach den Fünf-Mark-DDR-Schein und gab mir die 3,33 Mark DDR-Münzen zurück. Ich schenkte ihm diese. Er wollte sie nicht haben (= weil alles aus Aluminium), also liess ich sie, die Münzen, auf dem Tisch in der Zelle liegen, und ging meines Weges in den Oststeil meiner Stadt Berlin, nicht ohne mir voher die Füsse gewaschen zu haben im Zellenwaschbecken. Wer weiss, wer vorher auf der Matte gestanden hatte mit seinen Fusspilzen. Vertrauen gut, Kontrolle besser. Nicht notwendig, aber unumgänglich!
[s.a: LENIN IN BERLIN, Hrsg.: Museum für Deutsche Geschichte Berlin, Ostsee-Druck Rostock, Betriebsteil Putbus 1985]

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